37 Jahre Skisport-Journalismus

Michael Smejkal im Gespräch 

1991 - Premiere mit unvergesslichen Eindrücken

Er berichtet seit 37 Jahren vom Skisport, war 1991 in Saalbach als 27Jähriger Debütant und versäumte fortan keine der nächsten 17 Weltmeisterschaften. Er, das ist Michael Smejkal, Journalist der Salzburger Nachrichten, heute „alter Hase“ der Sportredaktion, spezialisiert auf Skirennen und Eishockey, in der schneefreien Zeit auf Radrennen und Golf.

Die Erinnerungen an die WM 91 sprudeln nur so aus ihm heraus: die Unterbringung des großen WM-Teams der SN in einer Schulklasse in der VS Saalbach, wohin die Reporter mit Sack und Pack, also mit Laptops und Computer, übersiedelten; die ausgezeichnete Stimmung bei den Bewerbungen, gepusht durch das herrliche Wetter und die frühen Erfolge der Österreicher*innen. Zwei Bilder stehen für Michael im Mittelpunkt: Stefan Eberharter, der unbekümmerte Nobody als Sieger, der auf der Ziehharmonika aufspielt – ein Ereignis, das man bei noch so penibler Vorbereitung nicht erwarten konnte; gleichzeitig ein Spiegelbild österreichischer Identität und Kultur. Und dann Ulli Maier, die Michael persönlich kannte, die durch ihre Babypause nur vier Rennen vor der WM und diese ohne Spitzenplatzierung bestritten hatte: Ihr Sieg und das Foto mit der kleinen Melanie rückten sie schlagartig in den Mittelpunkt des Interesses, nicht nur der Skiverrückten.

Panta rhei (Alles fließt, nichts bleibt fest)

Es floss nicht nur viel Wasser die Saalach hinunter, sondern der Skisport veränderte sich enorm: Material, Pistenpräparierung und auch der Umgang mit den Athlet*innen. Sowohl mit den Funktionären als auch den Sportlern saß man früher nach einem Sieg beisammen und tauschte sich ungezwungen aus. Heute werden die Sportler stets abgeschirmt, das Auto mit laufendem Motor wartet schon nach Ende der offiziellen Termine.

Auch der journalistische Job muss dem Zeitgeist angepasst werden: Journalisten werden heute von Internet und Social Media getrieben. War früher um 22.00 Uhr Redaktionsschluss und man ging noch auf ein schnelles Bier, so ist man heute Sklave der Zeit. Apropos Zeit: Der Eröffnungsbewerb endete um 17.45, der Bericht für eine ganze Seite sollte um 18.30 fertig sein – da muss bei Michael und seinen Kollegen jeder Handgriff perfekt sitzen! Routine hilft aber immer!

Weite Kreise

Die SN versuchen heuer, ihr Spektrum zu erweitern, z.B. durch Artikel für Leser, die nicht nur am Sport allein interessiert sind. Es gibt deshalb die Kolumne „Menschen bei der WM“ und das „WM-Tagebuch.“ Michael hatte zufällig Zeit, besuchte den „Champions Club“ und schrieb unter der Headline „Jeder Teller ein Kunstwerk“ über den ungeheuren Aufwand, um die illustren Gäste dort zu verwöhnen.

Wishing and hoping

Nachdem der Teambewerb nicht den Erwartungen entsprochen hatte, hoffte er auf einen Turnaround bei den Speed-Bewerben, ansonsten „kann das in Österreich leicht in Enttäuschung und Häme umschlagen; beides ist für das Team, die interne Stimmung und die Atmosphäre allgemein kontraproduktiv. Deshalb ist heuer eine frühe Medaille eine Nervennahrung.“ 90 Minuten nach dieser Einschätzung sah die Welt gleich rosarot aus: Nach Stephanie Verniers Goldmedaille fiel ein gewaltiger Felsbrocken von Ski-Österreichs Herzen, Raphael Haaser legte mit der Silbermedaille noch einen drauf – Erinnerungen an 1991 wurden wach, denn da gab es exakt diese Medaillen in den ersten beiden Einzelbewerben.

Wenn Arbeit zum Vergnügen wird

Für ihn als Journalisten sind die Arbeitsbedingungen bei einer WM wichtig: Das Internet soll funktionieren, das Quartier und das Pressezentrum sollen fußläufig erreichbar sein; in Saalbach ist das ausgezeichnet, inklusive funktionierendem Shuttledienst – nicht nur im Vergleich zu Courchevel.

Wenn all diese Aspekte passen, dann zahlt sich die Arbeit der vielen Mitarbeiter*innen aus, und diese WM wird nicht in Stein, sondern in Edelmetall gemeißelt werden!

WORDRAP - MICHAEL SMEJKAL

  • Wintermensch oder eine andere Jahreszeit - Wintermensch
  • Spontan oder perfektionistisch - perfektionistisch
  • Humorvoll oder ernst - humorvoll
  • Nicht aus der Ruhe zu bringen oder leicht kribbelig - mittlerweile ruhiger als früher
  • Traumberuf Journalist oder Jurist - eindeutig Journalist

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