Ein Pfarrer, kluge Ideen und Nachhaltigkeit pur

Rudi Weberndorfer im Gespräch 

Pray for Snow

Eine eher unscheinbare Aussendung von Pfarrer Rudolf Weberndorfer, die man im Vorfeld der WM fast überall zu Gesicht bekam. Ein Motto, das in dem einstündigen Gespräch unerwartete Konturen bekam. Ein Priester, der ob seines Humors, seiner ungezwungenen Art und seiner auf Nachhaltigkeit ausgelegten Ideen tiefen Eindruck hinterließ.

Am Start

In seiner Jugend machte er die Pisten in Vorarlberg unsicher, heute ist er froh, wenn er ein bisschen Zeit für sein geliebtes Hobby im Schnee abzweigen kann. Viel Zeit benötigt er für die drei Pfarren in Maishofen, Viehhofen und Saalbach, den Rest investiert er in Projekte, die den Zusammenhalt der Menschen in einem arbeitsintensiven Touristen-Hotspot vertiefen soll.

Der Sport als Türöffner

Als er nach 23 Jahren Seelsorgetätigkeit in Koppl nach Saalbach kam, merkte er bald, dass der Weg über den Sport den Zugang zu den Einheimischen am ehesten öffnen konnte. Mit einigen von diesen Leuten, wie z.B. Bartl „Bascht“ Gensbichler, plante er – nach dem Zuschlag der WM 2025 – einen Besuch beim Papst, um für führende Mitarbeiter den letzten Motivationsschub herbeizuführen. Er selbst machte sich daran, ein Programm der religiösen Nachhaltigkeit zu erstellen. „Ski and pray“ sollte Skifahren und Glauben verknüpfen, deshalb wurden die Startzeiten der Rennen und Messen gemeinsam angekündigt. Es begann am 5.12. mit einen Ski-WM Saisoneröffnungs-Gottesdienst. Obwohl nur die Einheimischen angesprochen wurden, war die Kirche gerammelt voll; die Messe sollte die Leute noch mehr zusammenschweißen, da er eine große Sehnsucht nach Gemeinschaft ortete. Ein Extra-Ort der Stille war nicht zu finden; wo die Kirche steht, wusste man oder fand es bald heraus. Und wenn ein:e Athlet:in ein Bedürfnis nach Aussprache verspürt, dann weiß sie/er, wo der Pfarrer wohnt oder findet es heraus. Viele Tourist:innen besuchen die Kirche für wenige Minuten, gehen in sich oder zünden eine Kerze an; auch einige Technik-Teams beschreiten diesen Weg, was aber gottlob nicht an die Öffentlichkeit dringt. Jenseits der WM organisiert er wieder einen Skitag der Ministranten, einen für die Pfarrgemeinde, einen Skitag der Altbürgermeister und des aktuellen Gemeindeoberhauptes. Ausgedehnte Radtouren sprechen dasselbe Publikum an. Neben dem Sport ist auch das Zusammensitzen in einer Hütte samt „Ratschen“ für ihn enorm wichtig, um Vertrauen zu finden: Der Sport ist hier das Vorfeld der Seelsorge.

Schnaps-Idee

Wenn es die Zeit zulässt, trifft er sich mit Freunden zu einer Weinrunde: degustieren, einordnen, miteinander reden. Mehr Bekannte und Freunde helfen ihm dabei, Schnaps herzustellen. Viele Leute bringen ihm Äpfel, Birnen, Zwetschken und Vogelbeeren. Mit den Einnahmen finanziert er Projekte für arme Kinder in Krisenregionen, um ihnen v.a. eine Schulbildung zu ermöglichen. Ganz besonders in den Dienst der guten Sache stellte sich Bascht Gensbichler, der ein ansehnliches Kontingent (natürlich für seine Leute) erstand. Zwischendurch würzt Rudi diese Geschichten mit trockenem Humor: Er erzählt von einem Gast in der Rosswaldhütte, der – ihm gegenüber – den dortigen Schnaps lobte, aber hinzufügte: „Den besten Schnaps, so sagen die Leute, brennt aber der Pfarrer.“ 

Wort- und Reaktionsstark

Angesprochen auf Roland Leitingers legendäres Zitat „Hallelujah, Oida“, lacht er laut heraus und meint dann:

„Es kommt auf die Betonung an, ob es Schimpfen oder Freude bedeutet. Es kann schon in den Alltag einfließen, schließlich leben wir das Christentum nicht nur die eine Stunde in der Messe, sondern den ganzen Tag.“

- Rudi Weberndorfer

Die letzte „Wuchtel“ stammt vom Super-G der Herren: Er war im Publikum, als er von einer aufgeregten Bekannten angesprochen wurde: „Da hat eine Frau einen Nervenzusammenbruch, du hast sicher a Schnapsl mit.“ Daraufhin füllte er ein leeres Weihwasserfläschen mit Vogelbeerschnaps und reichte es der Frau. Sie war, wie sich bald herausstellte, die Mutter von Marco Odermatt.

Zeit-Nehmung 

Meine Schlussfrage drehte sich um die Kriterien, die für ihn eine gelungene WM ausmachen: „Wenn gejubelt und geklatscht wird, egal, woher der Sportler kommt oder welche Hautfarbe er hat. Nationalismus, Rassismus und Egoismus sind ganz schlimm. Gelungen ist dieses Fest des Sportes dann, wenn dieses hier gelebte Für- und Miteinander für nachher mitgenommen wird.“ Um diese Einstellung in Saalbach Hinterglemm zu bewahren, findet Anfang Juni am Zwölfer ein Dankgottesdienst statt, der in einem gemütlichen „Zusammenhocken“ enden soll - so viel Zeit muss sein. 

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